Ein letztes mal Nachtzugen

Der Zug aus Kiev nach Warschau ist auf den ersten Blick mein Favorit. Eine Bank ein Waschbecken ein Fenster. Und alles für mich alleine. Auf den zweiten Blick seh ich dann es gibt insgesamt 3 Betten und so betrachtet ist das Abteil doch ziemlich mickrig. Aber okay vielleicht bleib ich ja wirklich alleine?

Bis 2 Minuten vor Abfahrt glaube ich noch Glück gehabt zu haben. Dann kommt ein Mädel rein, kein englisch. Aber schön, dass sie sich mit der Schaffnerin unterhalten kann.. Wenn ich die gute Frau adressiere ernte ich nur Augenrollen.

Na gut zu zweit in dem Abteil geht wohl auch noch irgendwie klar. Aber meine Mitreisende zeigt mir auf Nachfragen ihr Ticket. Sie steigt wieder aus, sollte ich doch Glück haben?

Mir fallen immer wieder die Augen zu und die schlaflose Nacht und das Kievumherirren machen sich bemerkbar. Netterweise verschwindet das Mädel dann auf das obere Bett und ich Schlaf mehr oder weniger 5 Stunden durch und bin beim aufwachen immer noch erledigt. Aber dann steigt sie endlich aus und ich kann mein Nachtlager einrichten…

Um halb eins werd ich allerdings wieder geweckt und werde mal wieder mit polnischrussischukrainischem blahblah adressiert. Und ich meine erst es geht um den Grenzübergang. Aber oh Wunder auf meine englische Antwort kommt was verständliches zurück. Der Inhalt dessen passt mir allerdings gar nicht. Beide übrigen Betten sollen Belegt werden, was für mich wieder aufstehen bedeutet… Und der Grenzübergang steht ja auch noch bevor..

Und weil das nicht reicht werden auch wieder Räder gewechselt und ein Mechaniker sucht in unsrem Abteil irgendwas.. Ich mag zurück in die transib :-(

Naja weil die Nacht eh für den Eimer und ab sieben an Schlaf nicht mehr zu denken ist beschließe ich eine letze zugdusche aus der Wasserflasche zu nehmen, damit ich mich nicht ganz so abgerockt fühle. Wuah. Mit ohne warmem Wasser ist das nochmal ein ganz anderes Kaliber. Aber gewaschene Haare, unbezahlbar.

Irgendwann kommen wir dann ‚an‘. Allerdings nicht wie geplant an Central sondern irgendwo im polnischen nirgendwo. Statt einer Erklärung bekomm ich von der sympathischen Schaffnerin nur ein ‚Out please!‘. Hm. Dank der beiden Abteilmenschen weiß ich aber zumindest dass hier aus irgendeinem Grund Ende und sie sich ein Taxi nehmen. Hm schön, ich hab nur noch so gar kein Polengeld?!

Macht nix sie nehmen mich mit. Vorsichtshalber frag ich an der Station doch nochmal ob der Berlin Zug nicht hier losfährt.. Die Antwort ist viel Geseufze bevor ich ignoriert werde. Ist es eigentlich verwerflich englisch zu sprechen?! Da waren mir die Asiaten mit ihrem pragmatischen Hang zu helfen irgendwie lieber. Naja mein mitreisender rettet mich, bestätigt es gibt hier kein Zug nach Berlin, und wir steigen in ein Taxi. Wir kommen zur Central Station, er zahlt das Taxi, zeigt mir dann wo ich jemand finde der englisch spricht und fragt ob ich Geld für ein Ticket habe.. Als er sich verabschiedet und mir einen schönen Tag gewünscht hat, merke ich ich weiß noch nicht mal seinen Namen.. Mist.

Achja Ticketkauf in Polen ist auch eine Herausforderung und das mit dem englisch nur so eine leere Versprechung. Außerdem ist der Zug der in einer halben Stunde fährt voll, sogar die erste Klasse. Also mal wieder ziemlich lange warten. Achja.. Wie hab ich vor kurzem noch getönt? Was sind schon 5 Stunden?! Jajaja… Irgendwann nach viel Chai, bummeln, Kaffee und Sushi sind sie dann aber doch vorbei.. Und ich schultere meinen Rucksack (wann ist der eigentlich wieder so schwer geworden?!) und Steige in den Zug. Da hab ich dann noch eine kleine Auseinandersetzung mit einer Mutter die glaube die Weisheit erfunden zu haben, und sitze nun endlich halbwegs entspannt allerdings nicht auf meinem eigentlichen Platz, in einem Großwagen.

Der Vorteil wenn man wochenlang auf dem Heimweg ist? Es ist irgendwann echt egal wo man ankommt und ob man sich in die Nähe von Frankreich begibt. Man ist froh wenn man wieder ne Dusche hat und nicht mitten in der Nacht irgendwelchen grimmigen Menschen seinen Pass zeigen soll.

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